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Zwischen Online-Werbung, Paywall und Almosen

Warum die Suche nach dem Erlösmodell sich so schwer gestaltet

Es ist ernüchternd: Gerade einmal 1638 Abonnenten hat das IT-Portal Golem.de mit seiner werbefreien Golem-pur-Version in den ersten Monaten gewinnen können. Eine Quote, die bei unter einem Prozent der Unique Users (AGOF) liegt und Chefredakteur Benjamin Sterbenz nicht völlig verzweifeln lässt (ihn aber wohl auch nicht wirklich glücklich macht).

Freiwillig zahlen also die wenigsten, auch in einer Zielgruppe, die zumindest in weiten Teilen die Funktionsweise des Netzes verstanden haben könnte. Erschreckend finde ich die Anspruchshaltung gegenüber Redaktionen: Schaut man mal in die Diskussionsseiten zu dem erstaunlich offenen Beitrag von Golem-Chefredakteur, fällt auf, dass viele Nutzer immer, aber auch wirklich immer irgendein Haar in der Suppe finden – einen Grund, warum ihnen eben Golem.de nicht die 2,50 Euro im Monat wert ist, einen Artikel, in dem die Redaktion sich von der Firma über die berichtet wird, habe kaufen lassen, ohnehin nur den Unternehmen und dem Kommerz verpflichtet sei, die Community verraten habe oder einfach nur einen Artikel in zu viele Einzelseiten aufgeteilt habe… die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Hubert Burda, für klare Worte als Hausherr des DLD bekannt, verkündete kürzlich, er glaube nicht an die Möglichkeit, das alte Verlegermodell ins Netz zu übertragen, er glaube nicht an die Bereitschaft der Menschen, für Inhalte im Netz zu bezahlen. Quasi Lousy Pennies reloaded.

Das klingt schlüssig, insbesondere wenn man sich bewusst macht, dass es eben zu 90% die aktuellen Inhalte sind, die ein paar Klicks weiter ähnlich formuliert bereit stehen. Selbst exklusive Inhalte, wie sie beispielsweise der Kontakter aus der Agenturbranche bringt, sind schneller als der Abonnent morgens sein gedrucktes Exemplar aus dem Poststapel ziehen kann. mit dem Zusatz „wie der Kontakter berichtet“ im großen weiten Netz zu finden.

Wer soll die Zeche aber dann zahlen? Springer versucht’s schon seit einiger Zeit mit Paid Content, kommt auch (vor allem aufgrund von Sonderaktionen und fast verschenkten Abos) zu den durchaus bemerkenswerten Abozahlen für Bild und Welt. Auch die Süddeutsche setzt langsam aber sicher zum Sprung auf den Geldbeutel des Lesers an. Der Spiegel schafft es dem Vernehmen nach auch ganz gut, von Lesern Geld zu erlösen. Aber wer sonst noch? Wahrscheinlich bräuchte es tatsächlich eine konzertierte Aktion, in der die 20 größten Portale für einen Tag mal den Dienst einstellen und die Website verhängen – mit dem Slogan „Online kostet“ statt „Print wirkt“.

Es ist ja nicht so, dass es nicht auch schon etliche Versuche abseits der Paywall gegeben hätte – in Richtung Sponsored Posts (durchaus vernünftig gelöst bei der t3n), in Richtung Exklusivsponsor (schön gemacht bei Lousypennies), in Richtung Laterpay und Flattr (ersteres ein Hoffnungsschimmer am Horizont, letzteres aus meiner Sicht ein gescheitertes Modell, weil Redaktionen durch die Konzeption der Verteilung zu Almosenempfängern verkommen). Und dann sind da noch die verschiedenen Crowdsourcing-Projekte, allen voran hierzulande die Krautreporter. Die bekommen in den letzten Wochen vor Augen geführt, dass sie eben nicht den revolutionär neuen Journalismus betreiben können, den man von ihnen im Vorfeld erwartet hat, dass es schlichtweg nicht möglich ist, das Rad komplett neu zu erfinden.

Ob man daraus die Schlussfolgerung „Es geht nicht ohne Werbung“ ziehen kann, wie dies Adzine-Redakteur Jens von Rauchhaupt tut? Ich denke nicht, auch wenn Werbung in vielen Fällen sicherlich ein Teil der Antwort sein wird. Aber es werden noch viele Portale auf der Suche nach der passenden Monetarisierung aufgeben müssen, noch viele Redaktionen aufgelöst und durch Billigkräfte ersetzt werden, bis zumindest einige Medienmacher ein ernst zu nehmendes Auskommen finden. Übrigens glaube ich, dass das zumindest in Teilen außerhalb der Verlage passieren wird, aber dass gerade die größeren Projekte eher mit Verlagen und Industrie zusammen entstehen werden.

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