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Zahlen bitte – ein Ziel und ein langer Weg

Warum jeder Publisher seinen eigenen Weg finden muss

 

Bei der Rhein-Zeitung gibt’s gar nichts mehr umsonst, bei der taz hält man die Hand auf, indem man auf die freiwillige Zahlungsbereitschaft der Nutzer zielt. Dazwischen das Metered-Modell, wo eine bestimmte festgelegte Anzahl an Beiträgen in Monat kostenlos ist und das Freemium-Modell, bei dem manche Inhalte kostenpflichtig, andere weiterhin gratis zu haben sind. Kein Zweifel, die Branche sucht nach Erlösmodellen direkt beim Leser – und das ist auch gut und richtig so. Denn Journalismus in der altbekannten Form finanziert sich nicht aus dem luftleeren Raum und Anzeigen allein können die Defizite nicht mehr decken.

 

Nun hat diese Woche die Süddeutsche ihre Bezahlschranke hochgezogen (und gleich eine Woche erwischt, in der sie nachrichtentechnisch sicherlich den einen oder anderen makaberen Zugriffsrekord vermelden könnte, aber hoffentlich nicht wird). Die ersten Kritiken aus der Branche sind eher verhalten bis negativ und auch meine erste Reaktion war „dafür haben wir uns nicht vor einem Jahr mit Hoodies fotografiert“. Aber Plöchinger hat nach eigenen Angaben auch weiterhin vor, das neue Produkt zu justieren, so ganz modern mit Scrum und so und den Kurs zu optimieren, wo es nötig erscheint. Das ist auch die einzig richtige Strategie, denn niemand kann uns voraussagen, was in fünf, ach was, in zwei Jahren auf dem deutschen Markt los sein wird.

 

Finden sich die 50.000 Leser, die man im SZ-Hochhaus kurzfristig anpeilt? Wie wird Spiegel Online darauf reagieren – ein erstes Bekenntnis vom Spon-Chefredakteur gab’s diese Woche, aber naheliegend und vernünftig ist ja, dass man sich das Geschehen in München erst einmal weiter anschaut, zumal es bekanntermaßen keine Patentrezepte gibt. Und dann ist da noch Zeit Online mit dem von mir sehr geschätzten Jochen Wegner an der Spitze, die in der Vergangenheit vieles versucht hat, was als innovativ gelten kann, bei der man sich aber immer noch vor allem auf die Digital-Abos der gedruckten Zeit verlässt.

 

Und dann ist da noch Springer… über 250.000 zahlende Bild.Plus-Abonnenten, zusätzlich gut 50.000 bei der Welt, von denen eine nicht ganz geringe Zahl auf subventionierte Abos angesprungen ist, teils mit Tablet, teils zu deutlich niedrigeren Preisen… aber sei’s d‘rum. Ein Riesenerfolg ist das dennoch und zeigt, dass man einfach Inhalte braucht, die nicht an jeder Ecke im Netz zu finden sind. Bundesliga zum Beispiel. Oder exklusive, qualitativ hochwertige Geschichten, wie sie SZ, Zeit und Co. ja haben.

 

Und da sehe ich gerade auch im Fachjournalismus neue Chancen. Denn gerade spitze Zielgruppen finden „ihren“ Content nicht in jeder Ecke im Netz und für datenbank-getriebene Inhalte hat einfach nicht jeder Blogger oder journalistische Kleinunternehmer das Durchhaltevermögen.

 

Schön fand ich dieses Zitat im letztwöchigen Spiegel, dass es immer die Gürteltiere in der Mitte der Straße sind, die überfahren werden. Vielleicht sollten sich das einige Verlagsmanager auf die Fahnen schreiben und sich klar bekennen, was sie eigentlich wollen und wie sie das erreichen können. Hier ist eine radikale, pragmatische Lösung oft besser als jahrelanger halbherziger Zickzack-Kurs ohne klares Ziel und solide Analyse…

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