Return to site

Ein Nachruf...

Financial Times Deutschland vor dem Aus

Nun ist es also amtlich, dass der Nikolaus die Rute bring, respektive am 6. November die letzte Financial Times Deutschland erscheint. Böse Zungen Informierte Blogger hatten das ja schon vorausgesehen (oder offenbar die richtigen Kontakte in den Verlag oder einen Konkurrenzverlag, was ich viel eher glaube), aber schade ist es allemal.

Ein solide recherchiertes Blatt, das gerade in der IT- und TK-Branche gut vernetzt war, mit profunden Kommentaren und einem gesunden Schuss  Humor ausgestattet (ich erinnere mich noch an die Überschriften in Limerick-Form, als in Limerick über die irische Zukunft innerhalb oder außerhalb der EU abgestimmt wurde). Hinzu kam ein sinnvolles Maß an politischer Berichterstattung, Geldanlage, bunte Geschichten und die Agenda, die insbesondere freitags passend zum langen Wochenende etwas
dicker ausfiel.


All das ist demnächst Geschichte und zeigt mal wieder, dass es eben nicht reicht, dass eine gute Redaktion ein pfiffiges Blatt macht, das sogar, im Vergleich zu anderen Mitbewerbern (und damit meine ich jetzt nicht das Handelsblatt, sondern die eher anlegerorientierten Zeitungen und Zeitschriften) weitgehend ohne offensichtliche Schweinedeals auskam oder diese wenn immer ordentlich kennzeichnete. Mehrere hundert Kolleginnen und Kollegen stehen demnächst erst einmal auf der Straße und ich bin mir sicher, dass die Hamburger PR-Agenturen nicht böse drum sind, den einen oder anderen guten Schreiber günstig abzugreifen.


So oder so – ich werde die FTD vermissen, weil es die einzige lesbare überregionale Zeitung war, wenn man eine Zeitung beruflich benötigte. Privat bin ich mit dem Web oft besser bedient, aber ich muss mir eben meine Informationen zusammensuchen, einschätzen, gewichten. Dass das böse Internet den Zeitungen die Leser wegnimmt, ist allerdings nur die halbe Wahrheit, wie Christian Stöcker richtig bemerkt hat,weil Zeitungen (nicht nur im Wirtschaftsumfeld) manche Entwicklung verschlafen haben und in großen Stil der Kostenlos-Kultur Vorschub leisten und ihre Arbeit zu Gunsten von Anzeigenreichweite in Flugzeuge packen. Ich habe mich schon im Zusammenhang mit den IVW-Zahlen mancher Zeitschriften gefragt, wie der Flugverkehr überhaupt noch reibungslos funktionieren kann angesichts mehrerer zehntausend Bordexemplare, die da Monat für Monat in die Flieger gehievt werden (oder gleich eingestampft werden?).


Hinzu kommt: Warum drucken Zeitungen (übrigens auch klassische Tageszeitungen) immer noch Börsenkurse ab? Hat da in den letzten zehn Jahren wirklich mal jemand reingeschaut? Das ist doch ein klassischer Vorteil des Internets und wäre ungefähr so als würden Computerzeitschriften noch Listings drucken (ich könnte jetzt gehässig sagen: … oder ihrem Heft eine CD oder DVD beilegen… upps).


Nein, für die Krise der Zeitungen sind Verlage schon selbst mitverantwortlich und wahrscheinlich müssen noch einige Printobjekte geschlossen werden, bis die Medienhäuser herausfinden, wo die Zukunft ist. Im Internet alleine und bei Portalen von Nicht-Medienhäusern (Microsoft, United Internet & Co.) ist sie trotz allem nämlich auch nicht zu finden, denn guten Journalismus habe ich auf der
Web.de-Startseite und auf etlichen ähnlich gelagerten Anzeigenumfeldern noch nicht gesehen


Außerdem: Fragen Sie mal einen Anzeigenkunden, warum er in Print wirbt… neben Reichweite und Nachhaltigkeit kommt da oft der Hinweis auf die opulente Ausstattung (in einigen Zeitschriften) oder eben der Hinweis, dass man einen bestimmten oft gut situierten und gebildeten Kundenkreis in einer entschleunigten Verfassung eher über Print erreichen kann. Das wird man allerdings weiterhin nur, wenn man solides journalistisches Handwerk und hochwertige Ausstattung (sprich: Layout) verkauft. Das heißt übrigens nicht, dass das nicht auch online funktioniert, wie eine Vielzahl von Angeboten zeigt (da müsste man auch mal wieder eine Liste zu machen *fürspäternotier!* ;-)).

All Posts
×

Almost done…

We just sent you an email. Please click the link in the email to confirm your subscription!

OKSubscriptions powered by Strikingly